Ich halte mich ja für einen relativ akzeptablen Trinkgeldgeber. Solche Dinge sind zwar immer sehr relativ, aber wenn ich zufrieden bin, dann gebe ich gern. Allerdings übertreibe ich es auch nicht. Das kann ich mir meist gar nicht leisten. Aber sagen wir mal so. Ich bin selten jemand, der einfach nur knapp nach oben aufrundet. In der Regel wird’s ein bisschen mehr. Bei guter Laune und wenn mir mein Gegenüber überdurchschnittlich sympathisch ist, habe ich selten Probleme damit. Was mich aber immer wieder aus dem Konzept bringt, das ist die Fülle an mir unerklärlichen Berufsgruppen, denen man offenbar allen Trinkgeld gibt. Bei manchen weigert sich in mir ganz einfach irgendwas, den Geldbeutel zu zücken. Und genau das löst dann ein großes, innerliches Dilemma aus. Rapider Verlust des sozialen Selbstbewusstseins, anhaltendes Unbehagen und nachhaltige Unzufriedenheit. Bin ich ein knauseriges Arschloch?
Zur Erklärung. Ich bin absolut ein Verfechter von Trinkgeld für Bedienungen. Schon allein aus Solidarität. Denn meist handelt es sich dabei ja um andere, in der Regel für relativ geringen Lohn arbeitende Stundenten. Ebenfalls gerne gebe ich dem Essenslieferanten Trinkgeld. Weil er seine wertvollen Abende für ein wahrscheinlich ebenfalls mageres Stundengeld hergibt. Und sowas macht man wohl nur selten aus Berufung. Mittlerweile, so seit ein paar Jahren, habe ich mich sogar daran gewöhnt, meinem Friseur Trinkgeld zu geben. Aber mehr aus Treue. Weil ich mich mit dem Typen recht gut verstehe und weil er mir auch schon mal bei Portemonnaievergessen meinerseits nen Haarschnitt geschenkt hat. Ansonsten verstehe ich aber oft überhaupt nicht, wieso ich Mitgliedern einer Berufsgruppe mit solidem, relativ akzeptablem Einkommen Trinkgeld geben soll. Klingt das arrogant? Das soll es eigentlich gar nicht.
All diese Zeilen hier sind einfach nur so unsortiert und verwirrt, weil ich mir selbst zu ergründen versuche, weshalb es offenbar normal ist, einem spießigen Postangestellten Trinkgeld zu geben, wenn mir dieser unter Festanstellung und bei fairen Arbeitszeiten ein Paket an der Haustür überreicht.
Ist das wirklich normal? Oder bin ich Arsch? Bigott? Macht Ihr das?
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Nein. Ich nicht.
Könnte vielleicht aber auch daran liegen, dass ich kaum Pakete bekomme.
Hm. Mal drüber nachdenken.
Hm, kenne nur Geldgaben an Post- / Zeitungszusteller an Weihnachten oder Neujahr. Nicht, dass ich das mache, aber echte Erbwerbstätige sind da wohl moralisch verpflichtet. Genauso für die Müllabfuhr.
Meinen Paketboten treffe ich kaum mehr. Seit er mir trotz Anwesenheit immerzu orangene Zettel in den Briefkasten geworfen hat, habe ich ihn durch eine Packstation ersetzt.
Deine Trinkgeldregeln sind völlig in Ordnung. Ein paar Euro extra für Friseure ist nett, auch weil (bei Männern mag das anders sein, aber bei Frauen … ) Dich jemand versteht und verschönert und das manchmal mehr als Handwerk ist. Lieferdienste, die Waschmaschinen in den dritten Stock schleppen, haben sich auch was verdient, aber Postboten? Nö, finde ich nicht, also mach Dir keine Sorgen!
Danke Euch. Dann scheint mein kleines Weltbild ja doch nicht so verkorkst, wie angenommen.
Anna: Besser nicht. ;)
Ben: Ja, stimmt. Die Weihnachtsnummer macht mein Vater auch immer. Damit könnte ich sogar, angenommen ich wäre etablierter Erwerbstätiger, durchaus leben.
Julie: Ja, klar. Waschmaschinenträger bekämen von mir natürlich auch Trinkgeld. Sogar schon ab dem zweiten Stock. :)
ausser bei “bedienung”, also im gastronomischen bereich und taxen, finde ich trinkgelder eher befremdlich… da können die noch so fragend gucken… mir gibt ja auch keienr trinkgeld, oder?
Mein Reden. Es gibt einfach Berufen, bei denen ich das absolut nicht nachvollziehen kann.
hehe, wie wärs mit ‘nem lächeln? das sollte doch belohnung sein genug …