4 years ago | 7 Hämatome

Ich halte mich ja für einen relativ akzeptablen Trinkgeldgeber. Solche Dinge sind zwar immer sehr relativ, aber wenn ich zufrieden bin, dann gebe ich gern. Allerdings übertreibe ich es auch nicht. Das kann ich mir meist gar nicht leisten. Aber sagen wir mal so. Ich bin selten jemand, der einfach nur knapp nach oben aufrundet. In der Regel wird’s ein bisschen mehr. Bei guter Laune und wenn mir mein Gegenüber überdurchschnittlich sympathisch ist, habe ich selten Probleme damit. Was mich aber immer wieder aus dem Konzept bringt, das ist die Fülle an mir unerklärlichen Berufsgruppen, denen man offenbar allen Trinkgeld gibt. Bei manchen weigert sich in mir ganz einfach irgendwas, den Geldbeutel zu zücken. Und genau das löst dann ein großes, innerliches Dilemma aus. Rapider Verlust des sozialen Selbstbewusstseins, anhaltendes Unbehagen und nachhaltige Unzufriedenheit. Bin ich ein knauseriges Arschloch?

Zur Erklärung. Ich bin absolut ein Verfechter von Trinkgeld für Bedienungen. Schon allein aus Solidarität. Denn meist handelt es sich dabei ja um andere, in der Regel für relativ geringen Lohn arbeitende Stundenten. Ebenfalls gerne gebe ich dem Essenslieferanten Trinkgeld. Weil er seine wertvollen Abende für ein wahrscheinlich ebenfalls mageres Stundengeld hergibt. Und sowas macht man wohl nur selten aus Berufung. Mittlerweile, so seit ein paar Jahren, habe ich mich sogar daran gewöhnt, meinem Friseur Trinkgeld zu geben. Aber mehr aus Treue. Weil ich mich mit dem Typen recht gut verstehe und weil er mir auch schon mal bei Portemonnaievergessen meinerseits nen Haarschnitt geschenkt hat. Ansonsten verstehe ich aber oft überhaupt nicht, wieso ich Mitgliedern einer Berufsgruppe mit solidem, relativ akzeptablem Einkommen Trinkgeld geben soll. Klingt das arrogant? Das soll es eigentlich gar nicht.

All diese Zeilen hier sind einfach nur so unsortiert und verwirrt, weil ich mir selbst zu ergründen versuche, weshalb es offenbar normal ist, einem spießigen Postangestellten Trinkgeld zu geben, wenn mir dieser unter Festanstellung und bei fairen Arbeitszeiten ein Paket an der Haustür überreicht.

Ist das wirklich normal? Oder bin ich Arsch? Bigott? Macht Ihr das?

AUSHOLEN & ZUSCHLAGEN

Immer schön fair bleiben und keine Schläge unter die Gürtellinie.
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