
Manmanman. Das war was, sag ich Euch. Die letzte Woche in Berlin war ein kleines Fest. So großartig, dass ich bei dem Versuch, sie in angemessenen Worte zu kleiden, tatsächlich einige Probleme hatte. Doch irgendwie muss ich den Leuten, mit denen ich so viel und doch so wenig Zeit verbracht habe, jetzt schon noch mal sagen, wie überragend gut dieselbe war.
Die Grundidee meines kleinen Hauptstadtbesuchs war von Anfang an, der bunten, vielschichtigen und vor allem aufregenden Welt meines Bildschirms im Rahmen der re:publica etwas haptisches zu verleihen, um dann zu schauen, wo in dieser gegebenenfalls noch ein Plätzchen für mich frei ist. Nun. Wie ich gleich am ersten Abend rausfinden konnte, besitzt meine Blogosphäre die Gesichter liebenswürdiger, inspirierender Menschen und wiedergefunden habe ich mich mitten unter ihnen. Das mag jetzt vielleicht etwas schmalzig klingen, war aber in Wirklichkeit eher feuchtfröhlich.
Und die ganze Zeit war da dieses merkwürdige Grundvertrauen eigentlich fremden Menschen gegenüber. Ein Gefühl das anderenorts schon beschrieben wurde, hier aber durchaus noch mal eine Erwähnung verdient. Immerhin sorgte es bereits am ersten Abend nach kurzer Aufwärm- und -laufphase für solchen Spaß, dass sich der erste re:publica Tag mit lediglich drei Stunden Schlaf begnügen musste.
Womit ich dann auch tatsächlich mal zum offiziellen Teil springe. Also nicht wegen “Schlaf”, sondern wegen “erster Tag”. Und da leite ich einfach gleich mal mit einem in Richtung Veranstalter gerichteten Dankeschön ein. Denn ich finde es durchaus beeindruckend, eine Sache von solchem Kaliber zu veranstalten und bei all dem Hickhack drumherum trotzdem noch gelassen zu wirken, sowie in der Lage zu sein, sich hier und dort entspannt zu unterhalten bzw. mindestens den Eindruck zu wahren. Danke dafür und danke für die hundert Möglichkeiten.

Ein kleines “Aber” habe ich aber natürlich auch noch in der Tasche. Ich möchte mich der Bitte um mehr Zeit anschließen. Den meisten Paneln hätten ein paar Minuten mehr sehr gut getan. Es ging oft viel zu viel Zeit dafür drauf, Grundsätzliches zu erklären. Als halbwegs webaffiner Mensch haben mich viele der Panel eher unbefriedigt zurückgelassen. Einfach weil sich viele Gespräche aus der Sicht meines Vorwissens nicht ausreichend entfalten konnten. Allerdings lag das nicht immer nur an der Zeitverteilung, sonder teils auch an den Referenten. Denn bei aller liebe, aber ich setze mich nicht in den Vortrag des AK Voratsdatenspeicherung, um die ersten zwanzig Minuten lang erzählt zu bekommen, wieviele Mailinglisten der Arbeitskreis schon vor fünf Jahren besaß und unter welchen Adressen ich diese heute nicht mehr erreichen kann. Die Zeit hätte ich viel lieber für weiterführende Informationen und detailliertere Einblicke in die aktuelle Arbeit genutzt. Schade drum, kommt aber halt auch mal vor.
Etwas enttäuschend fand ich auch das Panel mit Peter Sunde aus der Pirate Bay. Die angesetzten 30 Minuten waren mir nicht genug. Das hat gerade mal für ein paar nette Anekdoten aus dem Norden gereicht, doch bevor man sich überhaupt dem Thema Copyright näherte, stand schon die nächste Klasse vor der Tür und wollte in den Raum. Ich weiß natürlich nicht, welche Umstände dazu führten, dass Sunde einen der kleinen Time Slots bekam, aber gerade hier hätte ich mich persönlich sehr über eine ausgedehntere Behandlung gefreut. Das größte wäre natürlich eine Diskussion mit weiteren Gesprächspartnern gewesen, aber man kann auch nicht immer alles haben. Eigentlich war ich ja schon glücklich darüber, bei der Abschlussveranstaltung im selben Raum mit ihm mein Bier zu trinken. Fandom 2.0.
Ein unerwartetes Highlight war dagegen das Panel von Gregor Sedlag mit der schönen These, Science Fiction sei Vergangenheit. Da stand ganz einfach ein Mann im Glitzer des blauen Saals, lehnte mit einer Handvoll DinA4 Seiten an einem Tisch, neben dem ein alter Desktop PC ohne Bildschirm surrte und erzählte aus der Geschichte der Zukunft. Großartig. Ich hatte keinen einzigen Augenblick das Bedürfnis, per Twitter mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen.

Und letztlich war dann alles irgendwie unverschämt schnell vorbei. Trotz kurzer Nächte, schienen die Tage nicht länger und ließen sich auch nicht mit mehr Promille und schlechteren Witzen bestechen. Es bleibt also nur die Chance, seine Erinnerung so fest wie möglich um einen großen Haufen merkwürdiger Erlebnisse zu wickeln:
Herm, der mir quasi von dem Moment an auf den Geist ging, den ich neben ihm in der Bahn Platz nahm. Der mich nachts von den wenigen Stunden Schlaf abhielt, weil er zu laut mit seiner Ultimate Warrior Action Figur spielte. Der mich durch Vorgeben von Ahnung quer durch das Berliner Nahverkehrssystem zerrte, obwohl fünf Stationen Tram gereicht hätten. Herm, der sich von seinem eigenen Nintendo DS per Kindersicherung aussperren lies und der auch mit Nogger Choc noch beeindruckenden Lärm machen konnte. Ach Herm.
Die furchtbar hippe, furchtbar maue Mitte Twitterparty, auf der sich meine sonst tüchtige Kondition kurzweilig verabschiedet, um irgendwo außerhalb Luft zu holen.
Der offiziell aussehende Kameramann, der sich zum Einfangen von Computeratmosphäre hinter einen Besucher stellte und diesen unbemerkt über die Schulter filmte, wie er sich gerade bei GMail einloggte.
Die tatsächliche Übergabe dieser Zeichnung mit Bonus und späterem A-Blogger/Kraken Buttontausch. War mir eine Ehre.
Ein großartiges Portishead Konzert in der Columbia Halle mit einem Hintermann, der nach ausnahmslos jedem Titel seiner Begeisterung mit einem eher zweifelhaften Ruf Luft machte.
Club Mate Bingo; Twitter Shirtideen; Steckdosensitzkreise; finnisches 8Bit Metal; durch Abwesenheit glänzende, tanzende Brasilianerinnen; immer schlafende Zimmergenossinnen; Berliner Tatendrang; Rollbeete und Fernbedienungen für Lichtinstallationen; Rollo Döner; Bahnhofsvorsteher mit Xylophonen; Paul Kuhn, Fips Asmussen und ein letzter Abend, den zu beenden sich jeder weigerte; Freunde.
Tja, das war’s dann wohl, re:publica 08. Sobald ich hier gleich auf “Veröffentlichen” klicke, gibt es keinen Grund mehr, mich noch mal so tief mit Dir zu beschäftigen. Mach’s gut. Ich kuschel mich jetzt noch ein wenig an Deinen Stream.

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nach 10 jahren ists fertig und ich bine rster ERSTER ERSTER! so, jetzt lesen …
ach ja, daaamals :)
(lebt der bonus überhaupt noch?)
was lange währt… ;)
ich finde es übrigens sehr witzig, dass wir uns eigentlich erst nach diesen ganzen tagen mal so richtig unterhalten haben.
Herm: ;)
Anne: Ein wenig existiert noch. Der Großteil ging aber für das Schreiben dieses Textes drauf.
hach – und das sage ich jetzt nur aus anstand und nettigkeit -wunderbar! und gerne wieder, dann aber mit dem hulkster und jungen damen aus schweden wuhuhuhuhuuuh!
na dann hat er ja die perfekte bestimmung gefunden ;)
herm, jollem gollem! damit kriegst du sie alle.
Herm: So machen wir’s. Huck Hogän!!
Anne: Ja, auf jeden Fall. Mal sehen, wie lang das letzte Viertel überlebt
weil wir uns gar nicht so recht verabschieden konnten, mußt du leider nächstes jahr wiederkommen. isso! *g*
Ach verdammt. Nagut. Aber nur deshalb. ;)
(Vielleicht ist dann auch der Weg für mich um einiges kürzer. Mal gucken.)
Blargh, ich krieg das Gefühl, René und ich haben mit der Abschlussparty das Beste verpasst. Damn. Nächstes Mal dann eben eine Woche…
Ach und Danke für die Aufklärung des Wuhwuhwuhwuhs! Hatte mich schon gewundert, aber ja, passt :-)
Wär schon klasse gewesen. Allerdings waren wir da auch schon nicht mehr vollständiger. Julie und Sophie waren nämlich auch nicht mehr dabei. Kriegen wir aber alles nächstes Mal hin. Oder im Sommer. ;)
Das Whuwhuwhuh wollte ich unbedingt noch richtig erklären. Soll ja niemand glauben, dass ich solch merkwürdigen Laute aus Euphorie poste. Freut mich, dass ich helfen konnte. ;)
war eben irgendwann doch alles zu anstregend. :(
Ja, klar. War halt ganz einfach nur schade. Aber ich komm ja nächstes Jahr wieder. ;)
ein kleines schnüff und ein großes freu! und: junge, komm bald wieder!!!
[...] Schönste aber: In der Zeit des Delphins habe ich einige gute Leute kennengelernt, besser kennengelernt oder sogar als neue, wunderbare Freunde gewonnen. Leute, die ich so nicht mehr missen möchte. [...]
[...] ein paar Tage in Berlin. Der Hauptgrund dafür ist, dass ich mich mit den Chaoten treffe, die ich im April auf der re:publica so lieb gewonnen habe. In diesem Rahmen wird dann auch die erste nomnomnom [...]